Heute habe ich eine Paprika gegessen. Eine Rote. Normalerweise esse ich keine Paprika. Doch vor ein paar Tagen hat sich ein älterer Herr an der Kassenschlange relativ unhöflich vorgedrängelt. Er kam von der Seite und ich von hinten und ohne ein Wort zu sagen, er sah mich nur großäugig an, nahm er sich den Platz, den ich ebenso in Anspruch hätte nehmen können – rein zeit-räumlich betrachtet.

Gut erzogen, wie ich bin, dachte ich verärgert nur ‚Alter vor Schönheit‘. Er ließ eine Paprika hinter der Kasse liegen, jene Rote. Niemand sah es. Ich schaute ihm hinterher, ich hätte ihn rufen können, allerdings war es tatsächlich sehr laut in diesem Supermarkt. Er hätte mich nicht gehört – schon wegen seines Alters wohl nicht.

Ich nahm sie mit – halb mit der Absicht, sie ihm zu geben, wenn ich ihn auf der Straße noch sehen würde – halb mit Genugtuung, dass ich für sein schnödes Vordrängeln wohl eine Entschädigung erhalten hatte. Obwohl Paprikas nicht so mein Ding sind.

Ich sah ihn dann nicht mehr draußen vor dem Laden. Heute aß ich die Paprika. Sie schmeckte so, wie Paprikas so schmecken. Ich dachte dabei kurz an ihn.